Purer Genuss
Die Geschichte des Kaffees

Die Geschichte des Kaffees

Von der Bohne zur dampfenden Köstlichkeit

Heute kaum mehr vorstellbar, aber Kaffee war lange ein Luxusgut. Doch innerhalb der letzten 150 Jahre stieg der stimulierende Extrakt aus braunen Bohnen zum Genussmittel für alle auf. Heute sind die Deutschen eine Nation von Kaffeetrinkern. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 160 Litern ist der Muntermacher hierzulande unangefochtener Spitzenreiter unter den Getränken. Ein Blick in die spannende Geschichte des Kaffees.

Es war einmal ein Kaffeestrauch... Entdeckt haben soll den Kaffee angeblich ein Ziegenhirte aus Äthiopien um das Jahr 850. Der Überlieferung nach sprangen seine Tiere besonders munter herum, nachdem sie die roten Beeren eines bestimmten Strauches gefressen hatten. Der Abt eines nahegelegenen Klosters konnte das Geheimnis enträtseln: Er ließ sich aus den unbekannten Früchten ein Getränk kochen, nach dessen Verzehr er sich ebenfalls ‚ganz munter befunden hätte’. Die Kunde von diesem anregenden Elixier verbreitete sich schnell.

Wirklich belegt scheint die launige Geschichte nicht zu sein: Die Quelle wird vorsorglich verschwiegen. Kaffeeaufguss wurde ursprünglich nur in der Medizin und von Priestern verwendet, gelangte aber schnell zu Bekanntheit. Überall auf den Basaren des Orients entstanden Kaffeehäuser. Nach Europa kam der Kaffee durch die Kolonialisierung im 16. Jahrhundert. Im Hafen von Venedig, damals ein internationaler Handelsplatz, öffnete 1647 das erste Kaffeehaus seine Pforten. Der Siegeszug des Muntermachers war nun nicht mehr aufzuhalten. Die Jahreszahl 1694 steht für den ersten öffentlichen Kaffeeausschank in Deutschland: Vom Leipziger „Coffee Baum“ aus wurde die Sitte des Kaffeetrinkens auch in Deutschland salonfähig.

Kaffee wird Volksgetränk

Im 18. Jahrhundert starteten die europäischen Kolonialmächte einen Wettlauf um die Anbaugebiete in Mittelamerika, Afrika und Indien. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts avancierte Kaffee zum Volksgetränk – dank zweier wichtiger Entwicklungen: Südamerikanische Plantagen konnten Rohkaffee in Massen günstig produzieren, und die Kaufkraft der Bevölkerung wuchs. Um 1900 war Kaffee fester Bestandteil der bürgerlichen Besuchskultur und beliebter Wachmacher für die arbeitende Bevölkerung.

Der 1908 von Melitta Benz erfundene Kaffeefilter veränderte die Welt des Kaffeetrinkens noch einmal nachhaltig. Damit hatte jeder auch zu Hause die Möglichkeit, Genuss ohne Kaffeesatz zur produzieren. Bittere Kaffeekrümel im Mund gehörten der Vergangenheit an. Noch im selben Jahr gründet Melitta mit Mann und Kindern ein Familienunternehmen gleichen Namens.

Die Nachfrage nach Kaffee machte das Heißgetränk im 20. Jahrhundert zum zweitwichtigsten Handelsgut nach Erdöl. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er zu einem Symbol des Wirtschaftswunders. Kaffeetrinken hieß, sich wieder etwas leisten zu können. Und heute: Heute ist Kaffee Lebensgefühl, Lifestyle, manchmal sogar Ausdruck der Persönlichkeit. Getrunken wird er nicht mehr nur klassisch aufgebrüht, längst gehören Cappuccino, Espresso und Latte macchiato auch in Deutschland zum Alltag. Diese Vielfalt wird noch vielfältiger und abwechslungsreicher durch verschiedene Pflanzendrinks, die anstelle der klassischen Milch den Kaffee „erhellen“. Dabei läuft Hafer-Drink mit seinem vollmudig-getreidigen, leicht süßlichen Geschmack derzeit Soja-Drink den Rang ab. Und seit es Hafer-Drink auch in Barista-Qualität gibt zum Aufschäumen, können wir alle Latte & Co. jetzt auch herrlich pflanzlich genießen, probier`s einfach mal aus.

Schon gewusst?
Kaffee als Zeremonienmeister

In Äthiopien ist Kaffee das Nationalgetränk, drei Mal am Tag wird es in einer aufwendigen Kaffeezeremonie zubereitet. Der Vorgang erfüllt eine wichtige soziale Funktion und ist ein Zeichen von Gastfreundschaft. Nach dem Rösten und Mörsern der Bohnen kocht die Dame des Hauses das Kaffeepulver in einem bauchigen Tongefäß mit langem Schnabel auf. Je nach Landstrich gibt sie Gewürze wie Kardamom oder Nelken dazu, auch eine Prise Salz oder ein Stückchen Butter sind üblich.

Ein verziertes Tablett mit kleinen henkellosen Mokkatassen, darin zwei Löffel Zucker, steht für den frisch aufgekochten schwarzen Kaffee bereit. Drei Tassen pro Person sind während der äthiopischen Kaffeezeremonie Pflicht – und jede hat ihre besondere Bedeutung. Die erste Tasse, die stärkste, dient dem reinen Genuss. Während der zweiten Tasse werden aktuelle oder strittige Themen besprochen. Die dritte und letzte Tasse dient dem Segen der Anwesenden.

„Der Kaffee muss heiß sein wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe.“ Charles Maurice Talleyrand (1754 bis 1838), französischer Staatsmann.

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