Purer Genuss
Maronen und Esskastanien

Maronen und Esskastanien

Das Brot des kleinen Mannes

Früher war die Marone, Edel- oder Esskastanie ein wichtiges Grundnahrungsmittel der armen Bevölkerung. Neben Brot und Kartoffeln wurde die Schalenfrucht vor allem deshalb gegessen, weil sie schnell satt macht. Heute sind Maronen wieder total in – und lecker sind sie gestern wie heute sowieso.

Die Esskastanie wächst an einem sommergrünen Baum, der offizieller Baum des Jahres 2018 ist. Heimisch ist sie in Deutschland schon seit Römerzeiten, römische Siedler hatten sie im Gepäck. Der Grund: Man brauchte das strapazierfähige Kastanienholz für den Weinbau, der zur gleichen Zeit aus Italien importiert wurde. Und so kam es, dass die Pfalz als bekanntes Weingebiet auch das größte deutsche Verbreitungsgebiet des Baumes und seiner Früchte ist. Zu Ehren der „Keschde“ gibt es hier im Oktober und November Kastanienmärkte, kulinarische Kastanienführungen, Rezeptsammlungen und sogar einen 60 km langen Wanderweg.

Die Kastanie erlebt gegenwärtig – nicht nur in der Pfalz – eine kleine Renaissance. Man isst sie wieder gerne. Darauf deuten die vielfältigen Rezepte hin, die das stärkehaltige Naturprodukt als Basis verwenden. Und ein wertwolles Nahrungsmittel ist si enich dazu: 100 Gramm Esskastanie enthalten ungefähr 200 Kilokalorien. Der Kern in der stacheligen Hülle reich an Mineral- und Nährstoffen ist. Die Nussfrucht enthält Eisen, Phosphat und Kalium sowie die Vitamine B, C, E und Betakarotine – eine gute Portion Kohlenhydrate.

Von Suppe über Püree bis zu Pralinen und Schnaps: Die kulinarischen Talente der Maronen oder Esskastanien sind enorm. Doch zuerst gilt es, die ledrigen Schalen loszuwerden:

Tipps

  • Hat man Kastanien gesammelt, kann man sie noch ein paar Tage kühl und trocken liegen lassen. Dadurch intensiviert sich ihr süßes Aroma.
  • Frische Früchte etwa eine Minute in kochendes Wasser tauchen, dann lässt sich die Schale leichter einritzen.
  • Die Schale der braunen Früchte auf der gewölbten Seite kreuzförmig einritzen.
  • Bei 180 oder 200 Grad auf einem Blech in den Backofen. Die Zubereitungsdauer ist abhängig von der Größe der Nussfrüchte: 15 bis 20 Minuten.
  • Alternativ: Wie Kartoffeln in leicht gesalzenem Wasser ca. 20 Minuten weich kochen.
  • Wer nicht selber sammelt: Im Oktober und November sind frische Früchte im Handel erhältlich, bereits vorgekocht bekommt man sie das ganze Jahr über.

Leckere Rezeptideen

Rund um die Esskastanien oder Maronen gibt es eine Fülle von Rezepten, die zum Teil sehr alt sind - so wie dieses: Das Rezept "Gedämpfte Kastanien" geht auf die Benediktinerin Hildegard von Bingen zurück. In der Hildegardmedizin wird die Esskastanie dazu verwendet, die Milz das Herz, die Nerven und die Venen zu stärken.

Du brauchst dafür 500 g Maronen oder Esskastanien, 1 EL Margarine, 1 EL Zucker und 250 ml Gemüsebrühe. Die Kastanien kurz brühen und dann schälen. In einem breiten Topf Fett heiß werden lassen, Zucker dazugeben. Sobald er leicht braun ist, die Kastanien und die Brühe dazugeben. Etwa 15 min. weich dämpfen lassen. Die Kastanien dürfen nicht zerfallen. Man kann sie zu Rosenkohl oder Rotkraut servieren.

Auch lecker ist die Pfälzer Keschde-Linse-Supp'. Dafür brauchst du 1 EL Rapsöl, 150 g geschälte Kastanien, 150 g rote Linsen, 2 TL Curry, 2 TL Kurkuma, 1,2 Liter Gemüsebrühe, 80 g Simply V Streichgenuss Natur, Salz und gehackte Petersilie. Öl erhitzen, Kastanien und Linsen darin anschwitzen. Gewürze darüber streuen, mit der Brühe ablöschen, aufkochen und 20 Minuten köcheln. Danach die Suppe pürieren, Simply V Streichgenuss Natur unterheben. Mit Salz abschmecken und Petersilie darüber streuen.

Buchtipp

Franz Schmidt: Die keusche Frucht – Kastaniengeschichten und Kastanienrezepte. Der Autor macht Lust auf eine Frucht, die bereits eine große Tradition hat und die heute in der gehobenen Küche durchaus einen Platz verdient. 12,80 Euro.

Schon gewusst?
Marone oder Kastanie?

Maronen und Esskastanien sind keinesfalls das gleiche, sondern zwei verschiedene Arten der Edelkastanie (Castanea sativa), übrigens ein Buchengewächs. Ursprünglich ist die meist etwas größere Marone eine gezüchtete Form der Esskastanie. Das süße nussige Aroma kommt bei Maronen stärker zum Ausdruck als bei Esskastanien, die eine rundere Form haben und kleiner sind; dieses Jahr besonders wegen des ausgebliebenen Regens.

Überhaupt nicht verwandt sind die beiden stachligen Geschwister mit der Rosskastanie, ein Seifenbaumgewächs, das erst im 16. Jahrhundert aus Südeuropa zu uns kam. Die prächtigen, bis zu 30 Meter hohen Bäume sind dank ihrer großen Blätter gute Schattenspender, zum Beispiel für den Biergarten, die üppigen Blüten eine nahrhafte Bienenweide. Die Frucht der Rosskastanie ist ungenießbar und sogar leicht giftig, für Pferde allerdings sind Blätter, Blüten und Früchte heilsam bei Husten und Würmern – daher auch der Name Rosskastanie.